Wilde Pferde

Vertrauen in der osteopathischen Pferdetherapie

Das Thema Vertrauen ist ganz sicher nicht mal eben erklärt, ergründet oder verstanden. Und es gibt nicht DAS Vertrauen. Es hat verschiedene Facetten, so unterschiedlich wie Pferd und Mensch selber.


Ich möchte heute ein Beispiel geben, wie Vertrauen entstehen kann in Bezug auf eine manuelle/osteopathische Therapie. Es ist die Fortsetzung der Beobachtungen, die ich hier bereits aufgeschrieben habe: Ganzheitliche Körpertherapie auf der Basis des freien Willens


Die Stute Kalila kommunizierte beim ersten Treffen sehr deutlich und wollte sich an einigen Stellen nicht direkt, mit Berührung behandeln lassen. Ich therapierte daher sehr vieles energetisch und respektierte ihren Raum und ihre Bedürfnisse. Auch für mich ist dies eine Entwicklung. Denn früher, in meiner Zeit als Trainerin, hätte ich wohl darauf bestanden sie ans Halfter zu nehmen, um sie mehr unter Kontrolle zu halten. Heute ist mir klarer, wie übergriffig wir Menschen oftmals sind. Selbst wenn wir in guter Absicht handeln. Aber wir meinen Pferde immer und überall berühren zu dürfen. Selbst wenn wir sie kaum oder gar nicht kennen. Das ist insbesondere bei Therapien ein grosses Thema. Denn hier gibt es meist noch keine etablierte Beziehung zwischen Pferd und Therapeut. Das Pferd erkennt aber auf der anderen Seite unmittelbar sehr viel über den Menschen und seine Absichten. Und ich habe aktuell die Beobachtung gemacht, dass Pferde eben diese Bedürfnisse sehr klar formulieren, wenn sie die Bereitschaft des Menschen dazu erkennen sich sehr individuell den Pferdebedürfnissen anzupassen. Unabhängig davon, ob dem Menschen diese Einstellung bereits bewusst ist oder nicht.

Jiyuma Pferdetherapie

Als ich Kalila nun ein paar Monate später erneut behandelte zeigte sie ein anderes Verhalten. Ja, sie kommunizierte zwischendurch immer noch, dass sie einzelne Berührungen nicht mochte. Aber dies nur noch in sehr kleinem Ausmass. Im Gegensatz zur ersten Behandlung konnte ich beim zweiten Treffen 98% der Behandlung direkt, mit Berührung ausführen. Und auch wenn man verschiedene Tagesverfassungen hierbei berücksichtigen muss bin ich mir sicher, dass es auch mit der Form der Beziehung zu tun hat, die sich zu formen beginnt.


Ein Mensch kann sich bewusst für eine Therapie entscheiden, sucht sich eine Therapeutin oder einen Therapeuten aus und lässt sich entsprechend behandeln. Als Mensch sind einem die meisten Zusammenhänge und auch die Notwendigkeit sehr klar. Ein Pferd ist hier in einer anderen Situation. Es befindet sich in einer grossen Abhängigkeit und meist wird eine fast schon bedingungslose Kooperationsbereitschaft gefordert. Wir nehmen dies aber meiner Einschätzung nach als viel zu selbstverständlich an. Auch ich habe mir früher keine Gedanken darüber gemacht. Denn mittels Training und Konditionierung setze ich voraus, dass ein Pferd lernen soll mitzumachen. Im Hintergrund schwingt dabei oft die Angst mit, dass wenn das Pferd ein Mal Nein sagt, es danach immer Nein sagen wird. Viele Menschen befürchten, dass das Verhalten schlimmer wird, wenn sie darauf eingehen. Aber ich habe hierzu in den Jahren eine andere Erfahrung gemacht. Denn wenn wir es schaffen eine positive Atmosphäre zu erzeugen, mit klaren und friedvollen Absichten, wenn das Pferd sich gesehen fühlt und eine Mitspracherecht hat, dann wird aus einem anfänglichen Nein spätestens beim nächsten Mal ein Ja. Denn das Pferd lernt, dass wir es verstehen und mit ihm zusammen arbeiten wollen. Wir beginnen zu verstehen, dass das Nein nicht gegen uns, sondern gegen die Herangehensweise oder Energie ist. So lernen Pferd und Mensch und es entsteht Vertrauen.


Jiyuma Pferdetherapie

In der letzten Behandlung von Kalila zeigte sie ihr Nein auch mittels weggehen. Hierbei ist ebenfalls besondere Aufmerksamkeit gefragt. Denn Weggehen kann vor allem im Gruppenverband verschiedene Bedeutungen haben. Hier braucht es ein gutes Gespür, wie viel Raum das Pferd dann braucht und wie erneut angefragt werden kann. In unserem Fall war das Weggehen nicht das Ende der Behandlung. Es gab in dieser Zeit zum einen Raum für weitere Erklärungen, fürs Nachdenken und fühlen. Kurz darauf waren wir wieder am ursprünglichen Behandlungsort und arbeiteten dort weiter miteinander.


Vertrauen ist keine Einbahnstrasse. Sie braucht vor allem Verständnis, Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit, Reflexion und Ruhe. Wenn wir Vertrauen schenken, uns selber und anderen, werde wir es auch zurück erhalten.


In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Pferde alles Gut und hoffentlich viele vertrauensvolle Momente!


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